Wissenschaftler der Landauer Uni begleiten acht Schulen in Rheinland-Pfalz bei ihren Schritten in die neue Ganztags-Welt

Inga bereiten die Hausaufgaben Kopfzerbrechen. Inga ist aber nicht der Name einer Schülerin, sondern die Abkürzung von "Innovation Ganztagsschule", einem Projekt der Universität in Landau. Zwei Jahre lang begleitet ein Team um Prof. Dr. Jürgen Wiechmann im Auftrag der Landesregierung acht Schulen in Rheinland-Pfalz, die sich gerade zur Ganztagsschule umgewandelt haben.

In der vergangenen Woche hat es in Landau einen Workshop gegeben mit Lehrern der acht Schulen, von denen zwei in der Südpfalz (Hauptschule Edenkoben, Europa-Gymnasium Wörth), zwei in der Vorderpfalz (Salierschule Schifferstadt, Zeppelinschule Speyer) und vier in der Saar-Mosel-Region liegen. Quer durch alle Schultypen und Altersstufen hätten sich dabei die Hausaufgaben als Knackpunkt herausgestellt, so Wiechmann und sein Kollege, Prof. Dr. Reinhold S. Jäger.

Ein Teilnehmer habe in Worte gefasst, was viele andere als erste Erfahrung mit dem neuen Schultyp erlebt hätten: Die Ganztagsschule werde sich daran messen lassen müssen, wie sie mit dem Problem der Hausaufgaben fertig wird.

Lehrer müssen lernen, dass nur ein Teil ihrer Schützlinge mittags in der Ganztagsschule ist - ihre Zahl schwankt sehr stark zwischen 10 und 60 Prozent - und ein anderer Teil wie bisher zu Hause lernt. Lehrer sind gefordert, an den Nachmittagen eine "motivierende Lernumgebung" (Wiechmann) zu schaffen, was nicht allen gelinge. Und Lehrer neigen dazu, so der Hochschulprofessor, die Zeit und den Aufwand, den ein junger Mensch für Hausaufgaben benötigt, als zu gering einzuschätzen. Im bisherigen Schulalltag haben viele Mütter als billige Nachhilfelehrer der Nation ihren Sprösslingen auf die Sprünge geholfen. Jetzt, wo diese erst nach 16 Uhr von der Schule kommen, gibt es diesen zeitlichen Puffer nicht mehr.

Wiechmann und Jäger wollen den Schulen dabei helfen, "das Lernen zu lernen", um Hausaufgaben als "rhythmisierte und selbst kontrollierte Arbeit" zu begreifen. Einige Schulen erwägen eine neue "zeitliche Taktung" der Abschnitte zwischen Unterricht, Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung, um jungen Leuten kreativen Freiraum zu ermöglichen.

In den kommenden Wochen wird die Uni an den acht Schulen, die in das Projekt eingebunden sind, analysieren, welche zeitliche Belastung bei Hausaufgaben anfällt, welche Techniken zu ihrer Bewältigung den Schülern vermittelt werden und welche Auswirkungen Hausaufgaben an Ganztagsschulen auf die Leistungsfähigkeit der Schüler haben.

"Inga" läuft noch bis Ende des Schuljahrs 2004/05. Bis zu den Sommerferien 2004 wollen die Landauer Wissenschaftler zur "Optimierung des Bestehenden" (Jäger) beitragen, danach den Schulen auf der Suche nach ihrem neuen Profil helfen.

Rheinpfalz vom 13.02.2004 (Rolf Gauweiler)

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