Madita Weiler: Ein Schulhalbjahr an der Sangamon Valley High School in Niantic, Illinois


Seit 1. Januar 2016 besucht eine Schülerin unserer Schule, Madita Weiler aus der 11. Jahrgangsstufe, im Rahmen unseres GAPP Programmes für ein halbes Jahr die Sangamon Valley High School in Niantic, Illinois. Sie lebt bei einer amerikanischen Gastfamilie und versprach, regelmäßig über ihren Aufenthalt Bericht zu erstatten.

Januar 2016

Nach einem anstrengenden Flug kam ich am Nachmittag des 1. Januar schließlich am Flughafen von Chicago an. Ich ging durch die verschiedenen Kontrollen, holte mein Gepäck ab und suchte meine Gastfamilie. Ich war total aufgeregt, und tausend Fragen schwebten mir durch den Kopf. Ich hatte Angst, dass ich meine Gastfamilie nicht mag oder dass ich Heimweh bekomme. Aber als ich sie sah, waren alle Sorgen weggewischt. Sie warteten mit einem riesigen Plakat, auf dem 'Welcome to the USA, Madita!' stand. Wir begrüßten uns herzlich und gingen zu ihrem Truck. Wir brauchten 3 Stunden, bis wir in meinem neuen Zuhause angekommen waren. Mein Gastvater Frank und ich unterhielten uns viel, bis ich schließlich einschlief. Als sie mich weckten, waren wir da. Es war mitten in der Nacht und ich konnte nicht viel erkennen. Das Haus war groß und weiß mit einem großzügig geschnittenen Eingang. Wir gingen hinein und zwei kleine Malteser begrüßten uns. Sie heißen Mia und Riley. Meine Gastschwester Baily gab mir eine kleine Tour durch das Haus und ließ mich danach direkt schlafen. Die nächsten Tage waren sehr aufregend für mich. Ich lernte meine Gastfamilie kennen und sie zeigten mir das kleine Dorf. Besonders nervös war ich dann am 5.Januar, meinem ersten Schultag. Am Tag zuvor hatte ich meinen Stundenplan zusammengestellt. Ich hatte ab sofort jeden Tag:

1. Stunde Deutsch
2. Stunde Physik
3. Stunde Mathe
4. Stunde Consumer (man lernt Überweisungen,etc. auszufüllen)
5. Stunde Englisch
6. LUNCH
7. Stunde Government (unser Sozialkunde)
8. Stunde Sport
9. Stunde Study Hall (Hausaufgaben machen,Musik hören,etc...)

Die erste Stunde war natürlich total einfach, doch Physik und Mathe waren extrem schwer. Ich verstand nichts. Consumer hatte ich in den ersten 7 Tagen nicht, da meine Lehrerin krank war, und wir schauten nur Filme. Englisch war in Ordnung und in Government verstand ich den Lehrer nicht, da er nuschelt (ich versteh ihn immer noch nicht). Sport war sehr einfach. Sogar die amerikanischen Schüler lachen über ihren Sportunterricht. Study Hall hat mir sehr gut gefallen, da ich dort immer die Möglichkeit habe, nochmal was zu fragen.

Am Anfang war die Schule sehr schwer für mich, doch es wurde immer leichter. Ich muss mich immer noch viel hinsetzen und lernen, aber ich werde immer besser. Besonders am Anfang war ich die ganze Zeit gestresst. Ich kam von der Schule nach Hause und fing mit den Hausaufgaben an. Meistens war ich bis 23 Uhr damit beschäftigt. Dann ins Bett, aufstehen, Schule und wieder Hausaufgaben. Nach zwei Wochen habe ich dann mit dem Cheerleading angefangen. Ich hatte auch schon mein erstes Spiel und ich habe es geliebt. Natürlich habe ich auch schon viel geskypet. Im Moment hab ich noch kein Heimweh. Es gibt so viel Neues, dass ich noch gar nicht an Zuhause denke.


Februar 2016

Meine Zeit an einer amerikanischen High School:
Es ist jetzt schon Ende des zweiten Monats. Die Schule ist mittlerweile sehr einfach für mich. Meine Noten setzen sich hauptsächlich aus Hausaufgaben und Arbeitsblättern zusammen, weshalb es leicht ist gute Noten zu bekommen. Die Lehrer reden hier viel mehr über persönliche Dinge, und das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ist eher freundschaftlich.

Da wir im Basketball verloren haben, ist meine Zeit als Cheerleaderin leider auch vorbei. Ich habe es geliebt. Es macht unglaublich viel Spaß die Jungs auf dem Feld anzufeuern und in den Pausen verschiedene Cheers aufzuführen.

Vor zwei Wochen hatten wir 'Winterformal'. Man kann es sich wie einen kleinen Ball vorstellen, nur dass die Kleidung nicht ganz so schick ist. Die Musik ist auch eher modern gehalten und man kann Freunde aus anderen Schulen mitbringen. Nach dem Tanz gehen die meisten mit Freunden essen. Oftmals übernachtet man auch im gleichen Haus.

Am gleichen Wochenende sind wir auch schießen gegangen, was in amerikanischen Familien durchaus nichts Unübliches ist. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben eine geladene Waffe in der Hand. Natürlich fand das Ganze in einer speziellen Schießhalle statt, und wir trugen Schutzbrille und Spezialkopfhörer. Ich habe vier verschiedene Waffen ausprobiert. Ich wusste zuvor nicht, was ich davon halten sollte, aber es macht sehr viel Spaß und im Frühling werden wir es draußen probieren.

Mein Englisch ist um einiges besser geworden und ich muss nicht mehr 100 mal nachfragen. Für mich ist es ein tolles Erlebnis hier zu sein.


April 2016

Mehr als die Hälfte meines Austausches ist jetzt vorbei und die Zeit geht mir viel zu schnell um. Ich wünsche mir schon jetzt, dass ich noch ein bisschen länger bleiben könnte, aber das geht leider nicht. Es ist unglaublich, in welch kurzer Zeit man neue Freunde finden kann und sich in einer anderen Familie richtig wohl fühlen lernt. Man bekommt immer wieder mit, dass Austauschschüler mit ihrer Gastfamilie nicht klarkommen, weshalb ich super glücklich bin, dass ich mit meiner Gastfamilie so gut harmoniere.

Letztes Wochenende war ich in Indianapolis in Indiana. Wir trafen Freunde von Michelle und Frank (meinen Gasteltern) dort. Sie haben uns in das verrückteste Restaurant, dass ich je gesehen habe, mitgenommen. Es ist das Dick`s Last Resort. Ich wusste nicht, was mich erwartet, was alles noch viel lustiger gemacht hat. Wir sind reingekommen und hatten einen Tisch reserviert. Als wir dies am Schalter sagten, bekamen wir einfach die Antwort: „I don`t care !“. Ich war erst einmal geschockt. Wir mussten dann noch ca. 10 Minuten warten, bis wir unseren Tisch bekamen. In diesen 10 Minuten habe ich mich ein bisschen umgeschaut. Überall hingen Bilder und Poster mit Witzen drauf und das Ganze sah einfach nur verrückt aus. Als wir uns hinsetzten, kam dann heraus, dass die Bedienung „gemein“ sein soll und alles nur Spaß ist. Ich habe zum Beispiel den Spitznamen „Princess“ bekommen. Es waren viele lustige Momente und wir konnten fast nicht mehr aufhören zu lachen. Wir haben dann noch ein bisschen Zeit in Indianapolis verbracht, bevor wir am nächsten Tag wieder heimfuhren. Es war ein schöner kleiner Trip. 

Dieses Wochenende habe ich meine Gastschwester besucht. Sie geht auf das Western Illinois College. Sie hat mir ein bisschen was von der Universität gezeigt. Sie besteht aus einer Anzahl von Blocks, in denen die verschiedenen Fächer unterrichtet werden. Die Universität hat ihren eigenen Doktor und kleine Shops. Die Studenten leben meistens in sogenannten Dorms. Man kann es sich schon fast ein bisschen wie ein Hotel vorstellen, nur mit viel kleineren Räumen. Natürlich gibt es auch viele WGs. Die verschiedenen Straßen haben tatsächlich wie in den Filmen unterschiedliche Namen. So habe ich zum Beispiel die Partystreet gesehen, in der man wirklich nur leben sollte, wenn man mit lauter Musik umgehen kann.

Prom steht bald vor der Tür, was viele Vorbereitungen bedeutet. Prom ist für die Amerikaner ein sehr wichtiges Ereignis im Schuljahr – ein wenig vergleichbar mit dem Abschlussball. Ich habe auch schon mein Kleid ausgesucht und ein „Date“ (einen Partner für dem Prom) gefunden. Ich habe mir das Kleid geliehen, da man hier durchschnittlich mindestens über 150$ für so ein Kleid zahlt und mir das zu teuer war. So ganz versteh ich noch nicht, warum es so wichtig ist, aber vielleicht wird mir alles verständlicher, wenn ich es erlebt habe. Dennoch bin ich aufgeregt und freue mich.


Mai 2016

Diesen Monat war ich auf dem typisch amerikanischen Prom. Wochenlang hatte sich alles nur um Prom gedreht. Mit wem gehe ich dorthin? Wann trifft sich wer wo? Wo sollen Bilder gemacht werden? Und mehr Fragen. Freitag ging die Vorbereitung schon los. Mit ein paar Freundinnen bin ich in die Stadt gefahren, und wir haben uns die Nägel machen lassen. Dabei wurden dann natürlich noch restliche Fragen geklärt, sodass wir zu dem Entschluss kamen, dass wir uns am Samstag um 4 bei Baily (meine Austauschpartnerin) und mir treffen. Am nächsten Tag musste ich dann schon um 7:30 raus. Nachdem ich gefrühstückt und geduscht hatte, gingen wir zu einer Freundin, die uns die Haare frisiert hat. Danach ging es wieder heim und nun kamen Schminke und Make-up an die Reihe. Die Zeit verflog, und als wir gerade fertig waren, mussten wir schon Schuhe und Kleid anziehen. Vor dem Haus wurden dann noch mit den anderen Mädchen Bilder geschossen. Wir fuhren danach alle zusammen zur Turnhalle der Schule, wo der sogenannte Grand March stattfand. Die Paare wurden zusammen aufgerufen und mussten einen bestimmten Weg entlanglaufen; am Ende gab es dann nochmal Fotos. Danach fing der richtige Prom erst an. Wir trafen uns in einem Salon, wo es bis Mitternacht Essen gab und getanzt wurde. Lieder durften wir uns selbst aussuchen und es war für mich anfangs sehr komisch im Abendkleid auf Hip-Hop Musik zu tanzen, aber letztendlich hat es super viel Spaß gemacht. Nach dem Prom gab es dann noch den After-prom, zu dem nicht alle gehen. Man zieht sich Sportklamotten an und es gibt ganz viele verschiedene Sachen, die man machen kann - wie Tennis, Dodgeball, Bingo, Kartenspiele, Basketball, Schwimmen und vieles mehr. Insgesamt haben wir bis 5 Uhr morgens durchgehalten und es kam einem auch nicht mehr wie früh am Morgen vor. Prom war für mich eine sehr interessante Erfahrung, die mir unglaublich viel Spaß gemacht hat.

Ein weiteres Highlight in diesem Monat war, dass mein Gastvater Frank mir das Autofahren beigebracht hat. Am Anfang war ich natürlich noch total nervös, aber am Ende hat es mir richtig Spaß gemacht, auch mal auf das Gaspedal zu treten.

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu und so auch mein Austausch. Es war für mich ein tolles Erlebnis, das ich auf keinen Fall bereue. Ich freue mich einerseits schon auf zu Hause, aber ich will anderseits auch gerne hierbleiben. Ich habe hier meine eigenen Freunde gefunden und Kultur und Sprache sind für mich auch kein Problem mehr.

Madita Weiler